Warum ich gerade keine Kurse gebe
Eine Pause zu machen fällt mir nicht besonders leicht.
Nicht, weil ich nicht wüsste, wie wichtig sie ist. Sondern weil ich gerne unterwegs bin. Weil ich Ideen habe. Weil ich Neues entdecke. Weil ich das Leben liebe.
Und genau darin liegt manchmal die Herausforderung.
Anfang des Jahres hatte ich mir eine klare Ausrichtung gesetzt: Geschehen lassen. Oder, wie man so schön sagt: Let it flow.
Denn ich neige dazu, mir viele Ziele zu setzen. Große Ziele. Möglichst alle gleichzeitig. Und am besten sofort. Dazu kommt ein Leben, das sich überwiegend im Außen abspielt – Reisen, Unternehmungen, neue Eindrücke, ein Vollzeitjob und natürlich Yoga.
Ich genieße all das sehr.
Doch irgendwann meldete sich mein Körper und zwang mich, langsamer zu werden.
Rückblickend bin ich ihm dafür dankbar.
Während meiner Heilung begann ich, die Ruhe nicht nur auszuhalten, sondern zu schätzen. Ich lernte wieder zuzuhören. Dem Körper. Den Gedanken. Den Gefühlen. Ich beschäftigte mich mit psychosomatischen Zusammenhängen, der Traditionellen Chinesischen Medizin und vielem im Selbststudium.
Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl, wirklich bei mir anzukommen.
Eigentlich hätte ich es dabei belassen können.
Doch wie so oft kam das Leben dazwischen.
Ich wurde wieder gesund. Beruflich wurde ich gefordert. Ich war viel unterwegs, hatte wunderbare Erlebnisse und fühlte mich frei. Ich kann die Wochen an einer Hand abzählen, die ich in den letzten Monaten überhaupt zu Hause verbracht habe.
Und plötzlich war ich wieder mittendrin.
Nicht, weil etwas falsch lief.
Sondern weil ich langsam den Fokus verlor.
Die Verbindung zu mir selbst wurde leiser.
Und mit ihr die Klarheit darüber, was ich eigentlich möchte – für mein Leben, aber auch für meinen Yogaunterricht.
Irgendwann wurde mir bewusst, dass sich die regelmäßigen Kurse nicht mehr wie eine Herzensentscheidung anfühlten, sondern wie eine Verpflichtung.
Da wusste ich:
Ich konnte meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gerade nicht mehr das schenken, was ich für das Wertvollste halte: Präsenz.
Deshalb habe ich mich entschieden, eine bewusste Pause einzulegen.
Nicht vom Yoga.
Sondern vom Unterrichten.
Meine eigene Praxis ist in dieser Zeit sogar intensiver geworden. Vielleicht ruhiger als zuvor. Weniger sichtbar. Dafür ehrlicher.
Warum erzähle ich das?
Weil ich glaube, dass viele von uns diese Momente kennen.
Wir möchten allem gerecht werden. Beruf, Familie, Hobbys, Freundschaften, Gesundheit, Träume.
Wir werden immer schneller.
Und verlieren dabei manchmal genau das aus den Augen, wonach wir eigentlich suchen.
Ist eine Pause dann wirklich ein Rückschritt?
Oder vielleicht eher der Schritt nach vorn?
Yoga hat mich gelehrt, dass Wachstum nicht nur im Tun entsteht.
Sondern genauso im Innehalten. Im Zuhören. Im Loslassen.
Deshalb fühlt sich diese Pause für mich nicht wie Stillstand an.
Sondern wie Bewegung in eine andere Richtung: Nach innen.
Dorthin, wo Antworten nicht laut werden müssen.
Wo sie einfach da sind.
Im Purusha.
Ich freue mich darauf, wieder Kurse zu geben.
Nicht möglichst schnell.
Sondern dann, wenn ich den Raum wieder mit dem füllen kann, was ich selbst darin suche:
Ruhe. Präsenz. Verbundenheit.
Bis dahin freue ich mich, wenn dich meine Gedanken auf deinem eigenen Weg begleiten dürfen.
Namaste
Susanne